Als ich Gunar zum ersten Mal traf, war ich zunächst etwas verwirrt.

Ich sah ein Atelier, in dem zwei Welten aufeinander prallten. Neben auf Leinwand gebannten Sommerlandschaften und unzähligen Bildern in Farben voller Lebenslust, sah ich Ninja-Schwerter und Vitrinen mit martialischem Inhalt.

Ich lernte einen Menschen kennen, in dem eben diese zwei Welten scheinbar umeinander ringen. Eine Seele - die des von Natur, ländlicher Welt und Tierliebe geprägten Jungen, der mit großen Augen aufmerksam zuhört. Jemand, der mit kindlichem Instinkt mühelos Fassade und glänzende Verpackung vom Inhalt trennt. Einer, der seine Umwelt zulässt, ihr natürlichen Respekt entgegenbringt und staunt, wie wunderbar etwas gedeihen kann, wenn man es denn gedeihen lässt.

Die andere Seele...

... ist geprägt vom Erwartungsdruck Anderer an einen Heranwachsenden (und heute Erwachsenen), in den die Zeit tiefe Narben gemeißelt hat. Die zeitweilig wunde, rastlose Seele auf der Suche - in einer Gesellschaft, der Aufrichtigkeit, Authentizität und Toleranz verloren gingen, in der die Gier nach MEHR und Anerkennung in jedweder Form den alten Werten wich. In der wenig unversucht bleibt, das eigene Weltbild und die eigenen Interessen Anderen überzustülpen. Nichts anderes also, als der alltägliche Wahnsinn. Manch einer nimmt ihn hin ohne zu hinterfragen, mancher nicht.

Nein, Gunar ist kein schwieriger Mensch. Er mag Manchem als Sonderling erscheinen. Dem, der ihm nicht zuhört, wird sich Gunars Welt der Farben, Formen und Worte nicht erschließen. Dabei ist es so schwer nicht - schlummert doch der Konflikt zwischen idealer und realer Welt in Jedem von uns. Nicht Jeder ficht ihn aus und fast Jeder hat ihn im Alltag tief ins Unterbewusstsein verbannt. Gut, dass Zeitgenossen unter uns weilen, die sich ihre Ecken und Kanten bewahren konnten, die auch den Mund aufmachen, wenn alle betroffen zu Boden schauen.

Oft sind es gerade Menschen wie Gunar Thoß, die polarisieren. Die Mancher mit Erstaunen betrachtet, weil sie etwas "anders" sind. Die Unruhigen, die Fragenden, aus deren Suche nach Antworten eine schöpferische und kreative Kraft erwächst.

Was darf´s denn nun sein?

Ninja-Kämpfer oder verspielter Junge, der Ihnen seine Welt zu Füßen malt?
Mit ein wenig Geduld werden Sie beides finden.

Udo Buttkus (graffic.de)
Dezember 2007